Winterveranstaltungen VVG und NVG

Am 30. Januar fanden die ersten beiden Winterveranstaltungen der VVG und NVG in Oberfranken und Mittelfranken statt. Beide Veranstaltungen waren gut besucht und im Vorfeld mit spannenden Themen ausgeschrieben.

Josef Ebert, Geschäftsstellenleiter der NVG in Mittel- und Unterfranken, stellt zu Beginn der Veranstaltungen die aktuellen Märkte von Rind und Schwein dar. Der Trend in der deutschen Gesellschaft geht, im Verhältnis aller Fleischsorten, hin zum Rindfleisch. Die Bestände zeigen sich im Rinderbereich stabil bis leicht rückläufig, die Preise sind auf einem erfreulichen Niveau. Im Schweinebereich sind die Bestände ebenfalls leicht rückläufig, die Preise befinden sich aktuell auf einem im Vergleich zum Vorjahr niedrigen Niveau. Die NVG-bovex GmbH hat weiterhin eine stabile Entwicklung, die sich schon in den Vorjahren zeigte.

Als Gastreferent in Himmelkron zeigte Dir. Otto Körner, von der Landwirtschaftlichen Lehranstalt Triesdorf, die Landwirtschaft 2050 auf. Wenn sich die Population der Erde bis 2050 exponentiell fortsetzt, werden wir die Grenze von 9,5 Mrd. Menschen erreichen. Megastädte werden wachsen. Die Kernfrage ist: Reichen 3,5 Mrd. ha Grünland, 1,5 Mrd. ha Ackerland und 4,1 Mrd. ha Wald aus, um die Menschheit zu ernähren? Rechnerisch bedeutet es, dass wir pro Kopf mit 1.600 qm Ackerfläche auskommen müssen. Man könnte die Ackerfläche ausdehnen, doch herrscht Flächenkonkurrenz mit Infrastruktur, Straßen, Häuser, etc. und mit alternativer Energiebeschaffung wie Biogas, Photovoltaik und Ethanol-Erzeugung. Flächenkonkurrenz besteht auch zu Haustieren. Zur Futterproduktion sind etwa 600.000 ha Fläche nötig. Auch der Anbau von BIO Produkten steht in Flächenkonkurrenz. Um BIO-Lebensmittel zu produzieren, ist im Verhältnis weit mehr Fläche nötig. Die Anzahl der Aquakulturen nehmen zu, bei gleichbleibendem Fischfang. Um die Fische füttern zu können, wird Fläche benötigt. Der Verzehr von Fleisch hat historische und kulturelle Hintergründe. In Ländern, in denen kein Schweinefleisch gegessen wird, wird dafür viel Rind- und Geflügelfleisch gegessen. 2050 wird es zwei Mrd. mehr Menschen auf dieser Erde geben. In Flächenkonkurrenz stehen Infrastruktur, Wüstenbildung, Aquakulturen, Fleischverzehr und Ökologisierung. Die Versorgung wird also knapper. Landwirtschaftliche Betriebe wachsen wegen fortschreitender Inflation und technischem Fortschritt zur Arbeitserleichterung. Um die Versorgung der Erde gewährleisten zu können, muss weiter in Effizienz, Digitalisierung und Robotik investiert werden.

Zur Veranstaltung in Herrieden referierte Prof. Dr. Peter Breunig, Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, über „Neue Technologien und deren Einfluss auf die Zukunft der Landwirtschaft“. Über Technologien wie Computer & Netzwerke, Sensoren, Künstliche Intelligenz, Robotik, Biotechnologie/ -informatik und Blockchain kann unsere Agrarwirtschaft weiter verbessert werden. Über Künstliche Intelligenz erkennt die Spritzmaschine im Ackerbau wo Unkräuter wachsen und spritzt nur an diesen Stellen gezielt Herbizide. Über biotechnlogische Fortschritte ist es möglich In-vitro Fleisch zu produzieren. In diesen Markt investieren große Namen aus der Fleischbranche wie z.B. „Wiesenhof“. Über Gentechnik können die Eigenschaften der Nutzpflanzen gegenüber Schädlingen wesentlich verbessert werden. Die EU spricht sich noch nicht klar gegenüber gentechnischen Veränderungen aus. Über Blockchainmanagement könnte die Rückverfolgbarkeit in der Fleischwirtschaft dennoch verbessert werden. Eine dezentrale Datenbank, auf die alle Partner der Wertschöpfungskette zurückgreifen können, würde die Rückverfolgbarkeit erheblich erleichtern, in Echtzeit, effizient und transparent. All diese Möglichkeiten für die Landwirtschaft bergen auch Risiken. Steigender Druck auf die Tierhaltung, Verbraucherakzeptanz und vollkommene Transparenz will wohl bedacht werden.