NVG-Winterveranstaltungen

Auf unserer diesjährigen Veranstaltung in Oberfranken hatten wir wie erwartet volles Haus. Zu Gast war Sepp Kellerer, Chefredakteur des Bayerisch Landwirtschaftlichen Wochenblattes (BLW). Der Fokus des BLW liegt laut Kellerer immer darauf, was die Leser wissen möchten und welche Informationen die Landwirte benötigen. Er geht dabei auf verschiedenen Teilbereiche Gesellschaftsentwicklungen, Landwirtschaft und Agrarpolitik ein.

Durch die zunehmende Urbanisierung hat die Gesellschaft keine Beziehung mehr zur Landwirtschaft. Zudem individualisiert sich die Gesellschaft immer weiter. Er betont auch in der Landwirtschaft die zunehmende ICH-Bezogenheit. Die Digitalisierung ist ebenfalls ein weiteres Thema, welches sowohl die Gesellschaft als auch die Landwirtschaft umtreibt. Auch durch diese Digitalisierung ist der Produktivitätsfortschritt der Landwirtschaft immens. Ein Landwirt ernährt mittlerweile 140 Menschen, doch gibt Kellerer zu bedenken, dass die Menschen den Landwirt nicht mehr ernähren. Betriebe werden immer spezialisierter und kennen sich immer besser in ihrem Beruf aus. Allerdings müssen sie sich auch immer mehr aneignen, da die politischen Vorgaben immer weitgreifender werden. Denn die Landwirtschaft bleibt aktuell eine Zielscheibe. In der EU werden durch den Brexit auch im Landwirtschaftssektor weitere Einschränkungen kommen. Die Ökologisierung wird weiter von der Politik forciert. Die ersten Hektare werden gestärkt, doch die Größe der Betreibe wird gedeckelt durch verschiedene Einschränkungen. Das BML arbeitet an einer Tierwohlstrategie und der LEH und die ITW führen Haltungsstufen ein. Es gibt unzählige Labels und Marken, doch weder der Verbraucher noch der Landwirt erhält einen Überblick. Für die Landwirte stehen die rationalen Kriterien und für den Verbraucher die emotionale Entscheidung am Kühlregal.

Chancen für die Landwirtschaft sieht Kellerer unter anderem im Onlinehandel, da dieser sich auch im Lebensmittelbereich vergrößert. Kellerer mahnt außerdem an, dass die Welternährung es sich nicht leisten kann weniger zu produzieren, da die Population unaufhörlich wächst. Hier sind also ebenfalls Grenzen in der Einschränkung der Produktion. Laut Kellerer sollten die Landwirte die Wertschöpfung erhöhen durch Herkunft, Regionalität und Individualität. Denn auch die Herkunft der Lebensmittel wird dem Verbraucher immer wichtiger, so wie der BIO Bereich weiter wachsen wird.

Dr. Sebastian Hill, Geschäftsführer der NVG-bovex GmbH, berichtete über die aktuellen Themen der NVG. Dabei ging er auf den vom LEH initiierten Haltungskompass ein, bei dem die Produkte in 4 Stufen eingeordnet werden. Um den LEH mit den entsprechenden Tieren bedienen zu können, die passend zur jeweiligen Stufe gehalten werden, ist eine gute Datenbasis und Software notwendig. Das Know-How zur Software und Datenerhebung hat sich die VZ zur Verantwortung gemacht. Mit Hilfe der Landwirte, sollen hier Daten erhoben werden, welche unbedingt in der Hand der Erzeugergemeinschaften bleiben müssen. Hill stellt die Qualitätsprogramme der VZ-Gruppe vor, welche mit einer Vertragsbindung einhergehen. Trotz gefühltem Verlust der Flexibilität, sieht Hill die Vorteile überwiegen. Diese sind u.a.: garantierte Abnahmen, transparente Preisfindung und zuverlässige Betreuung. Aktuell entwickelt die NVG-bovex eine App zur Anmeldung von Tieren. Auch hier können die Regionalprogramme angegeben werden. Diese App wird in den nächsten Wochen in den App-Stores zur Verfügung stehen.